LGV-Technik & Signalisation

Angesichts des hohen Aufwandes, welchen der teure Bau einer LGV („Ligne à Grande Vitesse“) mit sich bringt, kann man sich fragen, weshalb dieser Aufwand? Nun, nur durch eine Höchstgeschwindigkeit von 300 km/h kann man die Fahrzeiten zwischen grossen Städten, bzw. deren Bahnhöfen signifikant verkürzen.
Aber das hohe Tempo erfordert auch weitere Installationen: Denn ab einer Geschwindigkeit von 160 km/h ist eine klassische Führung des Zuges per fest installierten Lichtsignalen entlang der Strecke nicht mehr möglich. Deswegen werden alle Informationen dem Lokführer direkt in den Führerstand geliefert, die Franzosen nennen dieses System „TVM“ (Transmission-Voie-Machine, heisst in etwa „Übertragung-Schiene-Maschine“). So kann auch bei schlechter Sicht gefahren werden und die Zugdichte erhöht werden, da mit 300 km/h der Bremsweg natürlich um einiges länger ist und die Reaktionszeit für den Lokführer bei festen Lichtsignalen zu kurz wäre, man also viel Abstand zwischen den Zügen lassen müsste – zu lang, um die Linie wirtschaftlich betreiben zu können.Hier möchte ich nun grob eine Übersicht darüber geben, wie also auf einer LGV gefahren wird und zeigen, was einem TGV-Lokführer auf so einer Strecke alles „begegnet“. Bei den TVM-Versionen muss man auch noch zwischen der ersten, TVM 300 und dem aktuellen, neuerem System TVM 430 unterscheiden. Das alte, welches man noch auf der LGV-Atlantique antreffen kann (auf der LGV-PSE wurde TVM 300 durch TVM 430 ersetzt), erlaubt eine Zugdichte von 4 Minuten, mit dem neuen sind nun bis zu 3 Minuten möglich. Züge mit TVM 430 sind auch in der Lage, TVM 300-Strecken zu „verstehen“, umgekehrt ist dies nicht der Fall, weswegen z.B. einige TGV-Atlantique ein Update auf TVM 430 erhielten, um auf solchen LGV verkehren zu können.

Das Essentielle zuerst 🙂
Die Markierung des Anfangpunktes und des Endes (französisch „fin“) einer LGV-Linie.

Diese zwei Schilder wird man an jeder LGV antreffen, genauer gesagt immer je an beiden Seiten der Trasse, wie auch alle anderen Schilder.
Sie markieren den Anfang, bzw. Ende eines Blockabschnittes, auf französisch „repère“.
Die Geschwindigkeitsanzeige im Führerstand orientiert sich an diesen Blöcken.Bei der LGV-Atlantique (TVM 300) beträgt die Länge eines solchen Abschnittes 2 km, bei den restlichen LGV mit TVM 430 sind es 1,5 km.

Die TVM 430-Anzeige in einem TGV-Führerstand, sie zeigt die Geschwindigkeit, welche am Ende des aktuellen Blockabschnittes erreicht werden soll. Dabei können 300, 270, 220, 160, 80 und 000 (Halt) km/h angezeigt werden. Desweiteren werden da auch Trennstellen, Systemwechselzonen und etwaige Nothaltaufträge (drei rote Felder) angezeigt. Auf einem Abschnitt der LGV-Méditerranée sind sogar 320 km/h für TGV-Réseau, Duplex, PBA und PBKA erlaubt.Das aktuelle Foto zeigt eine Freigabe für die Höchstgeschwindigkeit von 300 km/h an, welche auch für das Ende des nächsten Blockabschnittes vorgegeben ist. Wäre dies nicht der Fall, würde diese Zahl blinken, dann kann sich der Lokführer darauf einstellen, dass bald eine Reduktion der Geschwindigkeit erfolgen wird.Beispiel: 1. Block -Endgeschwindigkeit 300 km/h, grüne Zahl
2. Block -Endgeschwindigkeit 300 km/h, grüne Zahl blinkt
3. Block -Endgeschwindigkeit 270 km/h

Diese zwei Schilder zeigen an der Strecke den Anfang (links) und das Ende (rechts) eines Trenn-/Schutzstelle an der 25kV/50Hz-Wechselstromoberleitung an.
Dann wird normalerweise die Leistung im TGV-Triebkopf abgeschaltet, ein Hinweis erscheint ebenfalls in der TVM-Anzeige des Führerstandes.

Ein Wechsel des Stromsystems wird angezeigt. Dies ist z.B der Fall, wenn von einer „normalen“, 3kV Gleichstromstrecke auf eine LGV gewechselt wird. Parallel dazu leuchtet auch hier eine dementsprechende Anzeige im TVM-Display des Führerstandes auf.

Nachdem ein Systemwechsel angekündigt wurde, muss der Lokführer vor dem Passieren des linken Schildes den (oder die) Pantographen schon gesenkt haben und per Wahlschalter das neue Stromsystem eingestellt haben.
Beim Passieren des rechten Schildes kann der Stromabnehmer wieder gehoben werden. Beide Anzeigen erscheinen auch in der TVM-Anzeige.Bei beiden Schildern ist auch unten zusätzlich der Hinweis angebracht, welches Stromsystem „endet“, bzw. „anfängt“.

Zum Schluss noch ein Schild, welches man zwar nicht auf LGV-Strecken antreffen wird, sondern nur auf konventionellen Linien…
Damit wird nämlich der Lokführer aufgefordert, einen Pfeifton zu geben, also Ohren auf für den schönen Klang des TGV-Horns!!!! 😉